05.02.2015

Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe verleiht Motivationspreis

Motivation trifft Mobilität

Einen Motivationspreis für Schlaganfall-Betroffene und deren Unterstützer hat die Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe mit Förderung des Unternehmens Ottobock verliehen. Im Ottobock Science Center in Berlin wurden Menschen ausgezeichnet, die durch ihre Leistung und ihre Einstellung zum Leben Vorbild für andere sind. Darunter der elfjährige Jesko Dörmann aus Adelebsen, der den Preis in der Sonderkategorie „Kinder“ entgegen nehmen konnte.

Nach einem Schwimmbad-Unfall kam es bei Jesko zu einem Riss der Halsschlagader. Innerhalb kürzester Zeit war der Junge halbseitig gelähmt und nicht mehr ansprechbar. Nachdem sich sein Zustand nach einer Notoperation verschlechterte, entschlossen sich die Ärzte zu einer Hemikraniektomie: Jesko wurde zeitweise ein großes Stück der Schädeldecke entfernt, um den bedrohlichen Hirndruck zu senken. Tagelang bangte die Familie um sein Leben. Als Jesko aus dem Koma erwachte, konnte er weder laufen noch schlucken oder sprechen.

Bis heute ist Jeskos linke Körperhälfte gelähmt. Doch nach mehreren Operationen und einer monatelangen Reha hat sich der Elfjährige gut von seinem Unfall und dessen Folgen erholt. Der fröhliche, aufgeweckte Junge hadert nicht mit seinem Schicksal, sondern blickt optimistisch nach vorn. Er geht nach der Schule viermal pro Woche zur Ergo- oder Physiotherapie und fährt trotz seiner Halbseitenlähmung gern Ski und Waveboard. „Ich war krank", betont Jesko - eine bewundernswerte Haltung, die auch andere Menschen nach einem Schlaganfall motivieren kann.

Bei der Veranstaltung in Berlin wurden insgesamt 15 Preise in verschiedenen Kategorien verliehen. Betroffene, Selbsthilfegruppen, Ärzte und Kliniken aus ganz Deutschland hatten im Vorfeld ihre persönlichen Schlaganfall-Helden für die Auszeichnung nominiert. Die achtköpfige Jury, der auch Dr. Thorsten Böing, Leiter Neurorehabilitation der Otto Bock HealthCare Deutschland angehörte, wählte aus den zahlreichen Vorschlägen die Gewinner aus. „Einfallsreich und mit großem Tatendrang wird kreativ und engagiert Selbsthilfe- und Aufklärungsarbeit betrieben“, formulierte Dr. Thorsten Böing in seiner Laudatio in der Kategorie „Selbsthilfegruppen“. Vielseitige Medienarbeit trage zur Sensibilisierung der Öffentlichkeit und damit zur Schlaganfallprävention bei. Gleiches galt für den öffentlichen Informationsnachmittag für Schlaganfall-Betroffene und Angehörige, der im Vorfeld der Preisverleihung im Science Center stattfand. Im Anschluss hatten die Besucher die Möglichkeit, an einer Führung durch die Ausstellung „Begreifen, was uns bewegt" teilzunehmen.

Knapp 270.000 Menschen in Deutschland erleiden jährlich einen Schlaganfall, teilt die Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe mit. Damit ist dieser die häufigste Ursache für Behinderungen im Erwachsenenalter. „Für mich sind es die wahren Helden unserer Gesellschaft", sagt Stiftungspräsidentin Liz Mohn über die Gewinner des Motivationspreises. „Jede Geschichte zeigt auf ihre Art, dass es sich lohnt, auch in schweren Lebenslagen nicht den Optimismus zu verlieren."

Etwa zwei Drittel der Patienten, die einen Schlaganfall überleben, haben körperliche Einschränkungen und sind auf fremde Hilfe angewiesen. Damit die Betroffenen wieder einen möglichst selbstbestimmten Alltag leben können, ist die Phase der Rehabilitation überaus wichtig. Vor diesem Hintergrund hat die Stiftung neben der Prävention die Rehabilitation nach Schlaganfall als zweite Säule ihrer Aktivitäten begründet und die Zusammenarbeit mit Ottobock intensiviert: „Wir setzen auf eine integrierte Versorgung, um Schlaganfall-Betroffenen eine rechtzeitige und adäquate Rehabilitation zu ermöglichen“, erklärt Norbert Aumann, Geschäftsführer der Otto Bock HealthCare Deutschland. „Als Netzwerkpartner, Meinungsführer und Bindeglied zu den Betroffenen ist die Zusammenarbeit mit der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe ein wichtiger Baustein unseres Konzepts „Mobil nach Schlaganfall“. Ziel sei es, Patienten und Angehörigen den Weg zurück ins Leben zu erleichtern. Dazu gehörten größtmögliche Selbstständigkeit und ein Höchstmaß an Mobilität.

Mehr Informationen zum Thema Schlaganfall finden Sie beim Netzwerk Mobil nach Schlaganfall und der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe unter www.schlaganfall-hilfe.de