Stumpfheilung

Bereiten Sie Ihren Stumpf auf das Tragen einer Prothese vor

Die Heilung Ihres Stumpfes nach der Beinamputation ist die Basis für die folgende Prothesenversorgung und ist daher von besonderer Bedeutung. Im Krankenhaus werden Ihre behandelnden Ärzte den Heilungsprozess durchgehend überwachen und kontrollieren, das stationäre Pflegepersonal übernimmt die tägliche Behandlung des Stumpfes. Neben der Wundversorgung zählen dazu unter anderem die Ödem- und Kompressionstherapie, aber auch die Desensibilisierung der Haut oder die Narbenpflege.


Stumpfschmerzen

Nach einer Amputation können im Stumpf unterschiedliche Schmerzen auftreten. Dies können beispielsweise Knochenschmerzen, Wundschmerzen, Nervenschmerzen oder Phantomschmerzen sein. Jeder Schmerz wird entsprechend seiner Ursache behandelt, dazu stehen unterschiedliche Therapiemöglichkeiten wie eine Medikation, Wärme/Kälte Behandlung oder Stumpfwickeln zur Auswahl. Ihre Ansprechpartner dazu sind Ihr Facharzt und/oder Ihr Schmerztherapeut.

Wundheilung

Wenn Sie aus der Narkose aufwachen, ist Ihr Bein in der Regel bereits durch einen Verband aus einfachen Binden versorgt, aus dem ein kleiner Schlauch herausführt. Dieser Schlauch wurde während der Operation in die Wunde gelegt, damit Wundflüssigkeit und Blut abfließen können. Diese sogenannte Drainage wird im Laufe des Abheilens wieder entfernt. Die erste Wundheilungsphase ist in der Regel innerhalb der ersten vierzehn Tage abgeschlossen, wenn sich die Wunde geschlossen hat. Danach verstärken sich die Bindegewebszellen und wandeln sich in spezifisches Bindegewebe um. Doch auch wenn die Narbe äußerlich den Eindruck macht, gut verheilt zu sein, und sich nur noch die Farbe des Narbengewebes leicht verändert, dauert die Heilung der Narbe noch deutlich länger an. Bis sie auch innerlich vollständig abgeheilt ist, kann es bis zu eineinhalb Jahren dauern. Die Dauer des Wundheilungsprozesses ist abhängig von der individuellen Konstitution.

Ödemtherapie

Nach der Operation schwillt das Gewebe am Stumpf normalerweise erst einmal an. Diese Schwellung – Ödem genannt – ist eine ganz normale Reaktion auf die Operation. Sie lässt üblicherweise nach etwa einer Woche nach. Ziel ist zunächst, die Schwellung am Stumpf zu minimieren und im Anschluss das Volumen, das heißt den Umfang des Stumpfes, stabil zu halten. Zur Durchführung einer Ödemtherapie sollte Ihnen vom Arzt eine Lymphdrainage verordnet werden. Sie wird von einem Physio- oder einem Ergotherapeuten durchgeführt und dient dazu, die Entwässerung anzuregen und die Flüssigkeit, die sich nach der Amputation im Stumpf angesammelt hat, abzuleiten. Im Anschluss an die Lymphdränage wird der Stumpf mit einer speziellen Technik – Kompressionsbandagen, Kompressionssocken oder Kompressionslinern – behandelt. Durch die Kompression minimiert sich das Volumen des Stumpfes ebenfalls.


Kompressionstherapie nach der Amputation

Kompressionsliner anziehen nach Amputation

Kompressionsstrumpf anziehen nach Amputation

Schon bald nach der Amputation wird mit Hilfe von elastischen Binden, Kompressionsstrümpfen oder anderen Hilfsmitteln großflächig Druck auf Ihren Stumpf ausgeübt. Ziel dieser Therapie ist, das Stumpfödem zu reduzieren und den Stumpf für die Anpassung Ihrer späteren Prothese vorzubereiten. Das ist wichtig, weil ein starkes Stumpfödem die Wundheilung verlangsamt. Zudem dauert es ohne Kompressionstherapie länger, bis der Stumpf seine endgültige Form erhält und eine Prothese angepasst werden kann. Die Kompression fördert darüber hinaus die Durchblutung des Stumpfs. Dadurch haben Sie weniger Schmerzen und die Narbe heilt besser. Welche Art der Stumpfversorgung für Sie die geeignete ist – ob mit elastischen Binden, Kompressionsstrümpfen oder einem Silikonliner – hängt von verschiedenen Faktoren ab, beispielsweise der der Amputationshöhe, den Wundverhältnissen oder auch den persönlichen Erfahrungen Ihres Behandlungsteams.

Das Behandlungsteam im Krankenhaus kann Ihnen und Ihren Angehörigen vor Entlassung zeigen, wie sie die Kompression auch zu Hause weiter anwenden.

Desensibilisierung der Haut

Die Haut Ihres Stumpfes ist nach der Operation sehr empfindlich. In enger Absprache mit Ihrem Behandlungsteam können Sie – auch gemeinsam mit Ihrem Therapeuten – dazu beitragen, die Haut zu desensibilisieren. Es kann zum Beispiel helfen, mit einem rauen Handtuch oder Waschhandschuh sanft über die empfindliche Haut zu rollen. Zudem können Sie den Stumpf auch leicht mit einer Bürste in einer Aufwärtsbewegung massieren. Auch die Anwendung eines noppigen Massageballs trägt dazu bei, dass die Haut weniger empfindlich ist. Beachten Sie, dass all das nur in enger Absprache mit Ihrem Behandlungsteam geschieht. Sie zeigen Ihnen auch die richtigen Techniken.

Narbenpflege

Ihre Operationswunde am Stumpf schließt sich in der Regel nach drei bis vier Wochen und es bleibt eine Narbe zurück. Auch wenn diese von außen gut verheilt ist, kann es sein, dass das darunter liegende Narbengewebe noch nicht vollends gesundet ist. Dies kann bis zu 18 Monate Zeit in Anspruch nehmen. Sprechen Sie Ihren Arzt oder das Pflegepersonal auf eine für Sie geeignete Narbenpflege an. Es kann ratsam sein, die Narbe rasch nach der Operation zu befeuchten. Ihr Therapeut wird Sie darin schulen, wie die Haut optimal gereinigt und massiert wird, denn je weicher und flexibler Ihre Haut ist, desto besser ist Ihr Stumpf auf das Tragen einer Prothese vorbereitet.



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