Prothesenversorgung

Im Anschluss an Ihre Amputation stellen sich Ihnen viele dringende Fragen: Wann bekomme ich eine Prothese, wie bekomme ich eine Prothese und welche Prothese erhalte ich? Wir möchten Sie hier umfassend darüber informieren, wie die nächsten Schritte für Sie aussehen.

Generell erfüllt Ihre Prothese viele Funktionen: Sie stellt einerseits einen großen Teil Ihrer Mobilität wieder her. Mit dem Tragen einer Prothese reduzieren oder vermeiden Sie aber auch Haltungsschäden oder Gleichgewichtsstörungen, die aufgrund des fehlenden Gewichts Ihres amputierten Beines entstehen können. Darüber hinaus verhindert sie, dass Ihr erhaltenes Bein überlastet und langfristig beeinträchtigt wird. Direkt nach der Amputation ist ein Gespräch mit Ihrem Orthopädietechniker sinnvoll: Er erklärt Ihnen den Ablauf bis zu Ihrer Versorgung mit einer Prothese. Bitte beachten Sie: Wann Sie eine Prothese bekommen und ob Sie vorab mit einer Interimsprothese (Übergangsprothese) versorgt werden, hängt von vielen Faktoren ab. Ihr Orthopädietechniker kann Sie hier ausführlich beraten.


Wie erhalte ich eine Prothese?

Um eine Prothese zu bekommen, setzen Sie sich mit einem Orthopädietechniker in Verbindung, der sich mit Prothesenversorgung auskennt. Sie können den zuständigen Orthopädietechniker frei wählen und auch wechseln, sollten Sie nicht zufrieden sein. Idealerweise haben Sie bereits vor der Amputation oder im Krankenhaus Kontakt zu ihm bekommen. Unsere Expertenliste hilft Ihnen, einen Orthopädietechniker in Ihrer Nähe zu finden, der Erfahrung in der Prothesenversorgung hat.

Wann erhalte ich eine Prothese?

Zu welchem Zeitpunkt Sie eine Prothese bekommen, ob Sie vorher mit einer Interimsprothese (Übergangsprothese) versorgt werden und wann das geschieht, wird immer sehr individuell entschieden. Der Genesungs- und Heilungsverlauf ist bei jedem Menschen anders. Vertrauen Sie hier auf den Rat Ihrer Ärzte und Ihres Orthopädietechnikers, auch wenn Ihnen das unter Umständen Geduld abverlangen wird. Fest steht jedoch: Je besser Ihr Stumpf auf das Tragen einer Prothese vorbereitet ist, desto besser kommen Sie nachher mit Ihrer Prothese zurecht.

Als Richtlinie gilt folgendes: Bereits kurz nach der Amputation wird Ihr Orthopädietechniker Ihren Stumpf untersuchen und überprüfen, ob für Sie eine Interimsprothese (Übergangsprothese) in Frage kommt. Nach Wundverschluss (Dauer zwischen zwei Wochen und drei Monaten) erfolgt dann in der Regel die Maßabnahme am Stumpf und die Fertigung einer Interimsprothese. Diese Übergangsprothese tragen Sie drei bis sechs Monate lang. Sie dient dazu, dass Sie sich an die Prothese gewöhnen können und Ihr Stumpf seine bleibende Form entwickelt. Wenn das geschehen ist, Ihr Beinstumpf ausreichend abgeheilt ist und Sie sich wieder in einer guten körperlichen Verfassung befinden, kann die Versorgung mit Ihrer endgültigen Prothese beginnen.

Welche Prothese erhalte ich?

Welche Prothese für Sie in Frage kommt, ist von verschiedenen Faktoren abhängig. Einfluss auf die Auswahl der für Sie geeigneten Beinprothese haben zum Beispiel Ihre körperliche Fitness und Gesundheit, die Amputationshöhe, Ihre Ansprüche an die Prothese und Ihr berufliches und privates Umfeld. Ihr Orthopädietechniker berät Sie bezüglich all dieser Aspekte und wählt gemeinsam mit Ihnen die entsprechenden Passteile für Ihre Prothese aus.

Der Aufbau einer Prothese

Aus welchen Bestandteilen eine Prothese besteht, hängt von der Amputationshöhe ab. Grundsätzlich ersetzt eine Prothese Ihre fehlenden Gliedmaße – also z. B. Ihren Fuß, Ihr Knie- oder Hüftgelenk und besteht aus entsprechenden, verschiedenen Prothesenpassteilen. Ihr Stumpf wird von einem Schaft aufgenommen, wodurch die Prothese mit Ihrem Körper verbunden wird. Zwischen den einzelnen Prothesenpassteilen gibt es Verbindungselemente, mit Hilfe derer z. B. die Höhe der Prothese individuell angepasst werden kann oder teilweise auch zusätzliche Funktionen erfüllt werden können.

Zunächst wird Ihr Orthopädietechniker gemeinsam mit Ihnen und auf Grundlage Ihrer Bedürfnisse die einzelnen Prothesenpassteile auswählen. Wenn der Schaft nach mehreren Anproben seine richtige Passform erreicht hat, werden Schaft und Passteile zusammengebaut. Ihr Orthopädietechniker orientiert sich beim Aufbau der Prothese an Ergebnissen der Untersuchungen sowie an vorgegebenen Aufbaurichtlinien. Ist die Prothese dann fertig, finden weitere Anproben statt. Dabei überprüft der Orthopädietechniker mit Hilfe seiner technischen Ausstattung, z. B. dem sogenannten L.A.S.A.R. Posture, den Prothesenaufbau und passt die Prothese noch präziser an Ihre Bedürfnisse an. Danach können Sie die ersten Schritte mit Ihrer neuen Prothese machen.

Die Interimsprothese

In manchen Fällen kann schon kurze Zeit nach der Amputation eine erste Prothese angepasst werden. Diese Übergangsprothese, die Ihr Orthopädietechniker für Sie anfertigt, tragen Sie bis Sie mit einer endgültigen Prothese (Definitivprothese) versorgt werden können. Eine Interimsprothese kann den Therapieverlauf günstig beeinflussen. Mit ihr können Sie Ihren Stumpf schon frühzeitig teilweise belasten und mit ersten Geh- und Stehübungen beginnen. Interimsprothesen sind jedoch nicht für alle Amputationen geeignet. Ob Sie dafür in Frage kommen, entscheiden idealerweise Ihr Arzt, Ihr Physiotherapeut und der Orthopädietechniker gemeinsam.

Eine Interimsprothese dient auch dazu, einen für Sie passenden Schaft nach und nach anzupassen und geeignete Prothesenpassteile zu identifizieren. Die Passform der Prothese wird während dieser Test- und Probephase immer wieder durch Ihren Orthopädietechniker verbessert, so dass Sie bei Ihrer endgültigen Prothese (Definitivprothese) möglichst keine Passformprobleme haben.

Die Definitivprothese

Im Anschluss an eine Interimsversorgung bekommen Sie eine Definitivprothese, die exakt auf Ihre Bedürfnisse abgestimmt ist. Wenn sich die Volumenschwankungen reduziert haben und damit ein definitiver Schaft erstellt werden kann, findet die Versorgung mit einer Definitivprothese statt.

Weitere Hilfsmittel

Neben der Prothese sind für Sie möglicherweise zusätzliche Hilfsmittel zur Fortbewegung notwendig. Abhängig von Ihrer körperlichen Fitness gibt es unterschiedliche Gehhilfen wie Gehstöcke, Unterarmgehstützen oder Rollatoren. Auch steht vielen Amputierten ein Rollstuhl zur Verfügung. All das erhalten Sie im Krankenhaus oder in einem Sanitätshaus. Ihr Orthopädietechniker oder Ihre Ansprechpartner im Krankenhaus helfen Ihnen dazu weiter. Sie können sie zusätzlich dazu auch über weitere Hilfsmittel in Ihrem häuslichen Umfeld beraten.



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