24.07.2015

Beim Laufen ist man wieder „ganz“

Fünf Monate nach der Amputation hat Martin Huber sein Comeback im Sport

Die Talent Days vom 31. Juli bis 2. August 2015 in Duderstadt sind die Premiere: Gemeinsam mit dem Deutschen Behindertensportverband hilft Paralympics-Förderer Ottobock 12 Kindern und Jugendlichen von 11 bis 17 Jahren bei ihrem Start in die Leichtathletik. Coach Heinrich Popow hat mit dieser Gruppengröße bei seinen Running Clinics mit Erwachsenen gute Erfahrungen gemacht. Was an solchen Lauf-Wochenenden möglich ist, war zuletzt in Luzern mitzuerleben. Zum Beispiel: Ein sportliches Comeback nur fünf Monate nach der Unterschenkelamputation.

„Ich bin ohne große Erwartungen hierher gefahren und habe mich einfach gefreut, dass ich ein wenig hineinschnuppern kann“, schildert Martin Huber (36) seine Ausgangslage vom Vormittag. Sein Orthopädietechniker Flo Müller (35) von der Balgrist Tec AG in Zürich begleitet ihn: „Als ich von dieser Veranstaltung bei Ottobock in Luzern erfuhr, waren wir noch beim ersten Probeschaft. Der Plan war, hier einfach schon mal Kontakte für später zu knüpfen. Da war noch völlig undenkbar, dass er gleich so läuft wie heute.“ Denn schon am Nachmittag zeigt Martin Huber ein so gutes Bewegungsbild, dass man schon zweimal hinschauen muss, ob hier jemand mit oder ohne Laufprothese unterwegs ist.

Ein Sonderfall, üblicherweise dauert der Lernprozess länger. Aber unabhängig von der Zeit; was bedeutet es, nach einer Beinamputation die ersten Meter wieder sportlich laufen zu können? Wind im Gesicht? Flugphase? Martin Huber beantwortet die Frage in vier Worten: „Man ist wieder ganz.“ In seiner Biographie hatte Sport immer einen hohen Stellenwert. Bis zum Alter von 19 spielte er Handball. Danach gehörte er 17 Jahre lang in die Kategorie „ambitionierter Freizeitsportler“ auf der Langstrecke durch die Wälder. Dann die Diagnose: Tumor im rechten/linken Unterschenkel. Amputation.

Martin arbeitet als Teamleiter für Menschen mit geistiger Behinderung. Ausgebildet ist er aber auch als Mentaltrainer. „Den Beruf habe ich nie ausgeübt. Jetzt weiß ich, wozu es gut ist, dass ich das gemacht habe“, schildert er die bewusste Vorbereitung auf die Zeit vor und nach der Amputation. Dazu gehörte auch, sich über den Behindertensport zu informieren. „Man muss sich trauen, darüber zu sprechen. Wenn man das zulässt, auch mit dem Umfeld, dann bekommt man auch die Kontakte, die man braucht.“

Ein wichtiger Kontakt war das Zusammentreffen mit seinem Orthopädietechniker, der genauso sportbegeistert ist: „Flo hat sich immer Zeit für mich genommen. Das war der Hammer, da passt die Chemie.“ Daraus wiederum ging die Zusammenarbeit mit Heinrich Popow hervor und auch mit Lukas Christen. Als Ikone der Schweizer Paralympics-Geschichte schaute der kurzentschlossen bei der Running Clinic in Luzern vorbei. „Heinrich und Lukas, das sind echte Top-Coaches. Ich erlebe die Prothese jetzt als Sportgerät. Mit ihr kann ich aus meinen jetzigen Optionen das Optimale machen“, sagt Martin Huber.

Flo Müller sieht aus persönlicher und beruflicher Erfahrung heraus im aktiven Sport physische wie psychische Vorteile: „Sport ist generell prophylaktisch und hält fit. Bewegung und Freude, das bedeutet Freiheit, für Menschen mit Behinderung vielleicht sogar noch etwas mehr als für andere. Wer vor seiner Amputation schon Sport gemacht hat, ist mit diesem Denken natürlich leichter abzuholen.“

Wie das bei den Talent days in Duderstadt mit den jüngeren Jahrgängen aussehen könnte? „Bei Kindern hat es auch mit Mut zu tun, vor allem aber mit dem Mut der Eltern, ihre Kinder zum Sport zu schicken“, meint Flo Müller. Auch die Kosten für eine Sportprothese können eine Rolle spielen. „Bei Kindern übernehmen in der Schweiz manchmal Stiftungen die Finanzierung“, hat Martin Huber erfahren. Er muss seine Chancen, als Erwachsener bei der Investition von Kostenträgern unterstützt zu werden, jetzt erst noch ausloten. Die Motivation ist auf jeden Fall hoch: „Ich habe das Gefühl, dass sich die ganze Sportgruppe hier mit mir freut, dass ich laufen kann. Das hat mich getragen. Jetzt könnte ich laufen, bis ich umfalle.“

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Rüdiger Herzog
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