Behandlung und Versorgung nach einer Amputation

Die sensible Verbindung zwischen menschlichem Körper und moderner Technik erfordert hohe Kompetenz und ein multiprofessionelles Management.

Neuentwicklungen wie das Harmony® System haben die Sicherheit und den Komfort insbesondere für den unterschenkelamputierten Prothesenträger deutlich erhöht. Aber erst im Zusammenspiel mit einer hochwertigen medizinisch-therapeutischen Behandlung des Stumpfes schon kurz nach der Amputation wird die Versorgung optimal und beugt späteren Komplikationen vor.

Chirurgischer Eingriff

Bereits während des chirurgischen Eingriffs ist ein die biologischen Strukturen schonendes Vorgehen unerlässlich. Es wird angestrebt, den Stumpf unter den gegebenen Verhältnissen möglichst funktional zu formen. So werden Knochenvorsprünge durch Muskelgewebe gepolstert, damit sie nicht direkt unter der empfindlichen Haut liegen. In jeder Phase der Stumpfversorgung erfolgt die Behandlung angepasst an die Ursache der Amputation, die Besonderheiten des Stumpfes und unter Berücksichtigung der individuellen Risikofaktoren. In der postoperativen Wundheilungsphase stehen die sorgfältige Wundpflege und die vorsichtige Stumpfformung im Zentrum. Bei der täglichen Wundkontrolle muss insbesondere auf Entzündungszeichen und Stauungszeichen geachtet werden. Auf Grund der Größe des Wundgebietes ist das postoperative Ödem, eine Sammlung von Gewebsflüssigkeit zwischen den Zellverbänden, häufig sehr ausgeprägt. In der gezielten Ödembehandlung mittels Kompressionstherapie finden klassische Kompressionsverbände, Zinkleimverbände, Stumpfgipse und nach dem Ziehen der Wunddrainagen auch Post-OP-Liner Anwendung. Ergänzend zeigen die tägliche Lymphdrainage und die richtige Lagerung des Stumpfes über dem Herzniveau gute Erfolge. Bei der Ödemtherapie und Stumpfformung muss unbedingt eine Abschnürung des Stumpfes vermieden werden, da sich hieraus schwerwiegende Komplikationen ergeben können.

Gezielte Förderung

Ist die Wundheilung abgeschlossen, wird mit der gezielten Förderung einer differenzierten Empfindungswahrnehmung im Stumpf einerseits und der Abhärtung der Haut des Stumpfes andererseits begonnen. Parallel erfolgt eine konsequente Mobilisierung der angrenzenden Gelenke, um den natürlichen Bewegungsumfang zu erhalten oder zurück zu gewinnen. Die verbleibende Stumpfmuskulatur muss trainiert werden, um die Prothese sicher zu führen. Sobald die Stumpfverhältnisse es zulassen, sollte die Versorgung mit einer Prothese erfolgen. Sie wird in zunehmenden Zeiträumen getragen, um Haut und Gewebe schrittweise an die mechanischen Kräfte zu gewöhnen. Wichtig ist die aktive Mitarbeit der Betroffenen, die häufig zu Experten ihrer Stumpfbehandlung werden und die Besonderheiten ihres Stumpfes genau kennen. Beiträge liegen in der bewussten Gestaltung der Lebensführung: beispielsweise Rauchen aufgeben, Optimierung der Blutzuckerwerte durch Diät, Stumpfgymnastik und Krafttraining, Ausgleichsgymnastik und regelmäßige Stumpfpflege. Hier helfen von Anfang an erfahrene Physio-, Ergo-, und Sporttherapeuten sowie Gehschullehrer.

Stumpfbettung

Für die optimierte prothetische Versorgung hat Otto Bock mit dem Harmony® System ein innovatives Konzept der Stumpfbettung entwickelt, das herkömmlichen Verfahren auch bei besonderen medizinischen Problemen überlegen ist. Das Harmony® System bietet Vorteile bei Unterschenkelamputationen, wo häufig problematische Durchblutungsverhältnisse herrschen. Insbesondere für Diabetiker,bei arterieller Verschlusskrankheit, schwierigen Stumpfverhältnissen durch direkt unter der Haut liegende knöcherne Strukturen oder Narbenreizungen stellt es eine optimale Versorgung dar. Der Schaft wird individuell geformt, so dass empfindliche Strukturen geschont werden. Der volle Kontakt zwischen Liner und Schaft sorgt für eine hohe Haftung. Der Stumpf wird vor Wundscheuern und Druckgeschwüren effektiver geschützt. Durch den Unterdruck wird die Durchblutung in den kleinen und kleinsten Gefäßen gefördert und dem bekannten Phänomen der Volumenabnahme nach längerem Tragen einer Prothese entgegen gewirkt. Die gute Passform bleibt ganztägig erhalten, und nach dem Ausziehen der Prothese ist der Stumpf gleichmäßig durchblutet und warm. Zusätzlich schont eine Stoßdämpfung die Gelenke.


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