Atlantic Rally for cruisers

In 20 Tagen über den Atlantik. Fast 3.000 Seemeilen von den Kanarischen Inseln bis in die Karibik. An Bord, die 14-köpfige Besatzung – ausschließlich Beinamputierte.
20 Tage, 3000 Seemeilen und 14 Mann
Es war das größte transatlantische Segelereignis des vergangenen Jahres: Die „Atlantic Rally for Cruisers“. Fast 3.000 Seemeilen von den Kanarischen Inseln bis in die Karibik. Unterstützt von Sponsoren schickte die britische Veteranenorganisation BLESMA (British Limbless Ex-Service Men’s Association) die „Spirit of Juno“ ins Rennen. An Bord, die 14-köpfi ge Besatzung – ausschließlich Beinamputierte.

Schon die Vorbereitungen hatten es in sich. Ein schwerer Sturm verzögerte die Überführung der „Spirit of Juno“ zum Startpunkt und richtete bereits vor der eigentlichen Reise einige Schäden an. Notdürftig repariert stach sie drei Tage später in See.

Plötzlich machte der Motor Probleme: Diesel lief aus und verschmutzte Segel und Trinkwasservorräte. Tagelang segelte und schlief die Crew im Dieseldunst. Zehn Tage später traf das Schiff mit einer erschöpften Crew in Las Palmas ein. Ein Wettlauf gegen die Zeit begann, denn vor der Überquerung des Atlantik gab es noch viel zu tun: Lebensmittel heranschaffen, Segel flicken, Motor überholen und nicht zuletzt die Prothesen checken.

Einige Crewmitglieder verloren erst vor kurzem ihr Bein und konnten sich kaum vorstellen, welche Höchstleistungen sie im Verlauf dieser Reise vollbringen würden. Fast drei Wochen waren sie völlig auf sich gestellt. Sie arbeiteten hart bei jedem Wind und kämpften sich auch bei stärkstem Seegang übers Deck. Auf gischtnassen Bohlen festen Stand zu finden, war oft nicht leicht. Vorsicht war auch in den engen Kajüten geboten, denn dort lagen die Prothesen schlafender Kameraden meistens vor den Kojen auf dem Boden. Trotz einiger Tücken stand der Spaß im Vordergrund und Krisen überwanden sie mit Humor und Einfallsreichtum. So zelebrierten die Segler, nachdem beide Kühlschränke ausgefallen waren, über Tage die „Atkins-Diät“, indem sie im Wettlauf gegen die Außentemperaturen sämtliche Frischfleischvorräte verschlangen.

Sie perfektionierten Brot backen im selbstgebauten Schnellkochtopf und wenn Flauten an ihren Nerven zerrten, erfanden sie die kuriosesten Beschwörungsrituale. Kameradschaft und Selbstvertrauen wuchsen mit jedem Tag. Ein Crewmitglied bezeichnete die 20-Meter-Jacht zwinkernd als „wundersame, schaukelnde Selbsthilfegruppe“.

Als die „Spirit of Juno“ am 9. Dezember 2005 in den Hafen von St. Lucia einlief, erreichten diese 14 Männer weit mehr als das Ziel dieser Regatta: „Wir wollten zeigen, dass eine Amputation kein Grund ist, sich aus dem aktiven Leben zurückzuziehen.“ Kein Zweifel, das ist ihnen gelungen!

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