Nach der Amputation

Direkt nach der Operation stehen Ihre Genesung und die Heilung des Stumpfs im Vordergrund. Beides ist wichtig, damit Sie bald mit der Rehabilitation beginnen und mit einer Prothese versorgt werden können.

Amputierter Patient liegt im Krankenbett und bekommt Anleitung zur Stumpfpflege von einer Therapeutin.

Was erwartet Sie nach der Amputation?

Nach der Amputation wird Ihr Stumpf mit einem speziellen Wundheilungsverband (oder mit Binden) versorgt. Das Hauptziel dabei ist eine schnelle Heilung der Operationswunde und die Vorbereitung des Stumpfs auf Ihre künftige Prothese.

Dabei stehen in der ersten Zeit nach der Operation drei Behandlungsziele im Vordergrund: Sie sollen möglichst wenig bis keine Schmerzen haben, Ihr Stumpf soll belastbar werden und Sie sollen Ihren Stumpf in alle Richtungen optimal bewegen können.

Damit dies alles gelingt, ist es wichtig, dass Sie sich gleich nach der Operation von Ihrem Arzt oder Ihrem Physiotherapeut ein paar wichtige Dinge zeigen lassen: die richtige Lagerung im Bett, damit sich die Muskeln und das stumpfnahe Gelenk nicht verkürzen bzw. versteifen, eine regelmäßige Atemgymnastik sowie leichte Bewegungs- und Mobilitätsübungen. Durch diese Maßnahmen tragen Sie dazu bei, dass Sie schnell und problemlos mit einer Prothese versorgt werden können, um mobil und aktiv zu bleiben.

Die richtige Lagerung

Gleich nach der Operation sind Sie wahrscheinlich weder in der Lage, für längere Zeit ruhig zu liegen noch sich selbstständig im Bett umzudrehen. Lassen Sie sich deshalb mehrmals am Tag vom Pflegepersonal beim Umlagern helfen. Diese Lagewechsel sind wichtig, denn so sorgen Sie für eine möglichst schmerzfreie Position und verhindern zudem, dass Sie sich wund liegen. Darüber hinaus ist eine richtige Körperhaltung für Ihre Beweglichkeit entscheidend.

Wundheilung des Stumpfs

Wenn Sie aus der Narkose aufwachen, ist Ihr Bein in der Regel bereits durch einen Verband aus einfachen Binden oder aus Gips versorgt, aus dem ein kleiner Schlauch herausführt. Dieser Schlauch wurde während der Operation in die Wunde gelegt, damit Wundflüssigkeit und  Blut aus der Wunde abfließen können. Diese sogenannte Drainage wird im Laufe des Abheilens wieder aus der Wunde entfernt.

In den meisten Fällen schließt sich die Amputationswunde innerhalb der ersten drei bis vier Wochen und bildet eine Narbe. Doch auch wenn die Narbe äußerlich den Eindruck macht, gut verheilt zu sein, und sich nur noch die Farbe des Narbengewebes leicht verändert, dauert die Heilung der Narbe noch deutlich länger an. Bis sie auch innerlich vollständig abgeheilt ist, dauert es etwa eineinhalb Jahre.

In dieser Zeit ist eine intensive Pflege (Kompressionstherapie und Cremen) enorm wichtig, damit das Narbengewebe weich und geschmeidig bleibt und gleichzeitig belastbar wird. Das ist notwendig, um das Tragen der Prothese zu ermöglichen.

Anfängliche Stumpfkompression

Nach der Operation schwillt das Gewebe am Stumpf normalerweise erst einmal an. Diese Schwellung (Ödem) ist eine normale Reaktion auf die Operation. Sie lässt üblicherweise nach etwa einer Woche nach.

Schon bald nach der Amputation wird mit Hilfe von elastischen Binden, Kompressionsstrümpfen oder anderen Hilfsmitteln großflächig Druck auf Ihren Stumpf ausgeübt. Ziel dieser Therapie ist, das Stumpfödem zu reduzieren und den Stumpf für die Anpassung Ihrer späteren Prothese zu optimieren. Das ist wichtig, weil ein starkes Stumpfödem die Wundheilung verlangsamen würde und es würde zudem länger dauern, bis der Stumpf seine endgültige Form erhält und eine Prothese angepasst werden kann. Darüber hinaus fördert die Kompression die Durchblutung des Stumpfs. Dadurch haben Sie weniger Schmerzen und die Narbe heilt besser.

Welche Art der Stumpfversorgung für Sie die geeignete ist – ob mit elastischen Binden, Kompressionsstrümpfen oder einem Silikonliner –, hängt von der chirurgischen Technik, der Amputationshöhe, den Wundverhältnissen und den persönlichen Erfahrungen Ihres Behandlungsteams ab. Hierbei wird man die für Sie optimale Methode auswählen.

Unterschenkelamputierter Patient liegt mit gestreckt gelagertem und bandagiertem Stumpf im Krankenbett.
Ein Pfleger bandagiert den Stumpf eines unterschenkelamputierten Patienten.
Oberschenkelamputierter Mann trainiert seinen Rumpf zusammen mit seiner Therapeutin.
Oberschenkelamputierter Patient steht neben dem Krankenbett und wird von der Therapeutin bei Gleichgewichtsübungen gestützt.
Mit einer Interimsprothese versorgter Patient steht in einem Barren.


Bewegungsübungen

Damit Ihr Körper auf die weiteren Behandlungsschritte bestens vorbereitet ist und Sie beweglich bleiben, sind Übungen zur Stärkung der Rumpf-, Arm- und Beinmuskulatur dringend zu empfehlen. Lassen Sie sich von Ihrem Physiotherapeuten Bewegungsübungen zeigen, die Ihre Genesung unterstützen und auch die Gelenke in der Nähe der Amputationsstelle bestmöglich trainieren. Die Übungen können mit leichten Gewichten und Thera-Bändern sowohl im Liegen als auch im Sitzen oder Stehen durchgeführt werden. Dabei sollte auch der Stumpf in die Übungen mit einbezogen werden.

Durch diese Bewegungsübungen verhindern Sie, dass Muskeln und Gelenke steif werden. Machen Sie sich auch mit Bewegungsabläufen vertraut, die mit dem amputierten Bein zunächst ungewohnt sind. Ihr Physiotherapeut sollte Ihnen die Übungen zeigen und kontrollieren, ob Sie sie richtig durchführen. Er kann Sie beraten, welche Übungen für Sie zum jeweiligen Zeitpunkt die richtigen sind.

Mobilitätstraining

Nun können Sie Ihre Mobilität trainieren. Anfangs fällt es Ihnen wahrscheinlich noch schwer, sich selbstständig im Bett aufzusetzen und sich in einen Rollstuhl umzusetzen. Mit etwas Übung werden Sie dies aber bald beherrschen. Auch hier sollte Ihr Physiotherapeut Sie genau anleiten. Oft sind am Bett auch Bänder oder Griffe angebracht, die Sie zu Hilfe nehmen können. Bald werden Sie auch das erste Mal aufstehen. Da dabei jedoch das gewohnte Gegengewicht des amputierten Körperteils fehlt, sollten Sie auf anfängliche Gleichgewichtsprobleme gefasst sein. Nach einer Beinamputation können anfangs ein Gehgestell oder Gehhilfen helfen, das Gleichgewicht zu halten.

Sofort- und Frühversorgung

In manchen Fällen kann schon kurze Zeit nach der Amputation eine erste Prothese angepasst werden. Mit einer solchen Sofortprothese kann der Stumpf schon frühzeitig teilweise belastet und mit ersten Gehübungen begonnen werden. Die Sofortversorgung erfolgt meist schon etwa zehn Tage nach der Amputation. Diese Art Prothesen sind jedoch nicht für alle Amputationen geeignet. Ob Sie dafür in Frage kommen, entscheiden Ihr Arzt, Ihr Physiotherapeut und der Orthopädie-Techniker gemeinsam. Falls eine solche Früversorgung bei Ihnen möglich sein sollte, erhalten Sie nach einigen Wochen eine neue Prothese: eine sogenannte Interimsprothese, die Ihr Orthopädie-Techniker individuell für Sie anpasst. Sie eignet sich für erste Geh- und Stehübungen.

Kompressionstherapie

Nach der Operation schwillt das Gewebe am Stumpf normalerweise erst einmal an. Diese Schwellung ist eine normale Reaktion auf die Operation. Sie kann durch großflächigen Druck vermindert werden.

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