Ein Festakt im historischen Duderstädter Rathaus ist für die Otto Bock HealthCare der Auftakt ihres Jubiläumsjahres.


Ein Festakt im historischen Duderstädter Rathaus ist für die Otto Bock HealthCare der Auftakt ihres Jubiläumsjahres. Am Dienstag, 13. Januar 2009 – auf den Tag genau 90 Jahre nach Gründung der Orthopädischen Industrie durch den Namensgeber Otto Bock – wurden rund 300 Ehrengäste erwartet, darunter Ministerpräsident Christian Wulff (Niedersachsen) und Minister Gerold Wucherpfennig in Vertretung von Ministerpräsident Dieter Althaus (Thüringen). Für das musikalische Highlight sorgte Peter Maffay mit unplugged-Versionen seiner Hits.
Die Vertreter beider Bundesländer sprachen Grußworte und brachten schon damit zum Ausdruck, dass Otto Bock in den bald 20 Jahren nach dem Fall der Mauer in besonderer Weise ein deutschdeutsches Unternehmen ist. In der Firmen- und Familiengeschichte spiegeln sich in vieler Hinsicht die nationalen Wendepunkte wider.
Otto Bock gründete 1919 mit der Orthopädischen Industrie in Berlin nicht nur eine Firma, sondern veränderte damit die gesamte Branche grundlegend. Denn erst die von ihm eingeführte Passteil-Fertigung ermöglichte, ausreichend schnell die große Zahl von Versehrten zu versorgen, die aus dem Ersten Weltkrieg zurückkehrten.
Noch im selben Jahr trugen die politisch unruhigen Zeiten in Berlin dazu bei, dass die neue Firma nach Königsee im Thüringer Wald umzog. Das Unternehmen wuchs bis zu einer Mitarbeiterzahl von mehr als 600. Unter sowjetischer Besatzung entstand dann zunächst der Plan, möglichst nah zu Königsee, aber in der britischen Zone, einen weiteren Standort aufzubauen, um von dort aus im Tauschhandel Material gegen Ware die weitere Belieferung der Kunden zu sichern. Dr. Max Näder, Schwiegersohn von Otto Bock, gründete diese „Zweigstelle“ in Duderstadt 1947 praktisch aus dem Nichts und baute sie mit seiner Gattin Maria Näder auf.

Als 1948 das Familienunternehmen in Königsee entschädigungslos enteignet wurde, begann Dr. Max Näder mit einer Gruppe engagierter Mitarbeiter unter schwierigsten Umständen den Aufbau der Produktion bei Null in Duderstadt auf dem Euzenberg.
In Duderstadt ging aus der Suche nach alternativen Materialien für das bisher verwendete Pappelholz die Entwicklung eines Kunststoffs durch Dr. Max Näder hervor. Dieser erwies sich nicht nur für die Orthopädie-Technik als bestens geeignet, sondern auch für Branchen wie die Möbel- und Automobil-Zulieferindustrie.
1953 wurde so zum Geburtsjahr der heute global aufgestellten Otto Bock Kunststoff Holding. Otto Bock selbst erlebte dies nicht mehr, er war im selben Jahr verstorben und wurde in Duderstadt beigesetzt. In den kritischen Zeiten des Kalten Krieges bedeutete die frühe Internationalisierung der Firma Otto Bock, die Zukunft des Familien-Unternehmens durch mehrere globale Standorte besser absichern zu können.
Nach dem Mauerbau wurde die Grenze um die DDR schrittweise immer mehr zum Todesstreifen aufgerüstet. Die zu diesem Zeitpunkt am 9./10. November 1989 unerwartete Öffnung der Grenze veränderte die Situation auch für Otto Bock schlagartig. Die Unternehmer-Familie kaufte ihren ehemaligen Besitz in Königsee erneut und baute dort ab 1992 eine hochmoderne Fertigungsstätte für Rollstühle und Mobilitätshilfen auf.

Aber nicht nur deshalb ist Otto Bock mit seiner Zentrale in Südniedersachsen auch wieder als ein thüringisches Unternehmen zu sehen. Vielmehr kommt heute knapp die Hälfte der Mitarbeiter in Duderstadt aus den neuen Bundesländern, vorrangig dem Obereichsfeld.
1990 übertrug Dr. Max Näder die Geschäftsführung seinem Sohn, Professor Hans Georg Näder. Er baute das globale Netzwerk sehr dynamisch aus und forcierte Forschung und Entwicklung sowie Marketing und Vertrieb. Heute hat das Unternehmen eigene Tochtergesellschaften in 40 Ländern der Erde. Die führende Technologie von Otto Bock wird mit Hilfe dieses globalen Vertriebsnetzes in mehr als 140 Länder exportiert.
Mit der Internationalisierung blieb immer verbunden, die deutschen Standorte, insbesondere die Zentrale in Duderstadt, auszubauen. Das reicht von Investitionen in die Logistikzentren für HealthCare und Kunststoff über Um- und Ausbau des gesamten Firmenkomplexes bis zum Energiemanagement, das seit 2007 auch Biogas einbezieht. Für die kommenden fünf Jahre gehören ein Feuerwerk neuer Produkte und Dienstleistungen sowie eine kontinuierlich steigende Mitarbeiterzahl zum geplanten weiteren Wachstum. Das Unternehmen Otto Bock steht für eine unternehmerische Erfolgsgeschichte und Professor Hans Georg Näder für ein klares Commitment zum Standort Deutschland. Hier werden Produkte exportiert, aber keine Arbeitsplätze.

„2009 sind 90 Jahre Otto Bock und 20 Jahre Grenzöffnung zu feiern. Zudem freue ich mich auf eine weitere Rückkehr, die aber zukunftsorientiert ist: die nach Berlin. Im Juni werden wir dort das Science Center Medizintechnik einweihen“, erklärt Professor Hans Georg Näder.
Auf drei Ausstellungsebenen entsteht ein Technologie-Schaufenster, das sich bewusst am interessierten Laien orientiert. State-of-the-Art Präsentationen führen die Besucher in dieser Erlebniswelt an biomechanische Phänomene heran.
Interaktive Stationen laden zum spielerischen Entdecken ein und machen deutlich, worin die Leistungsfähigkeit heutiger Highend-Produkte besteht. Sie kommen mit jedem neuen Entwicklungsschritt näher an das natürliche körperliche Vorbild heran und geben den Menschen Mobilität und damit Lebensqualität zurück.
Damit verbindet sich im Science Center Medizintechnik auch ein Ausblick in die Zukunft, wie sie bei Otto Bock mit dem Prototypen der weltweit ersten gedankengesteuerten Armprothese gerade begonnen hat. Medizintechnische Innovationen können im oberen Bereich des Science Center Medizintechnik in Seminarräumen sowie in der topausgestatteten Orthopädie-Werkstatt im Penthouse dem internationalen Fachpublikum praxisnah präsentiert werden. Für diese Zielgruppe ist Berlin als rasant wachsende Drehscheibe der Welt und als Metropole mit besonderen medizintechnischen Kapazitäten der ideale Standort.

Beim Festakt am in Duderstadt wurde ein weiteres zentrales Thema von Otto Bock ebenfalls aufgegriffen: das Paralympics-Engagement. Allerdings äußerten sich die beiden Medaillengewinner der Spiele von Peking, Heinrich Popow und Mathias Mester, nicht nur zum Sport, sondern generell zum Zusammenhang von Leistungsfähigkeit und Akzeptanz im Leben mit einer Behinderung. Peter Maffay ist in seinem sozialen Engagement sowohl der Otto Bock Stiftung als auch dem Behindertensport verbunden. Sein aktueller Song „In dir ist immer noch ein Licht“ wurde bei der Ehrung der Paralympics- Sportler des Jahres in Berlin als limitierte Single-Auskoppelung vorgestellt und wird als Hymne auf den Behindertensport verstanden.